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Maria von Jever

Maria von Jever

LebensZeit

Sie kämpft für ein Leben in Unabhängigkeit und Freiheit, für Jever, ihre Untertanen und sich selbst

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Maria von Jever und ihr Kampf um ihr Recht

Maria von Jever war vieles, aber auf keinen Fall schwach. Bereits früh war sie auf sich alleine gestellt und musste viele Verluste erleiden. Doch warum ist sie für uns eine emanzipierte, starke Frau?

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Viele Schicksalsschläge im Leben Marias, einer Häuptlingstochter aus Jever, zwingen sie zum Handeln und in die Regierung. Zusammen mit dem Projekt „Stark und Mutig“ möchten wir euch die Geschichte von Maria erzählen. In verschiedenen Kapiteln berichten wir, weshalb sie eine so besondere Frau ist. In einer männerdominierten Welt des 16. Jahrhunderts hat die Häuptlingstochter Außerordentliches geleistet. Wegen Marias Bemühungen gehört Jever auch heute noch zum Landkreis Friesland, wobei es sich im östlichen Ostfriesland befindet.

Die Geschichte vom höfischen Häuptlingstöchterchen zur Waise

Es war so, dass die vier (drei Mädchen und ein Junge) Geschwister sehr jung ihre Eltern verloren haben. Die Vormundschaft übernahm der Schwager von Edo Wiemken, der Graf von Oldenburg. Die Regierungsgeschäfte vor Ort wurden erstmal von den sogenannten Regenten, die fünf vornehmsten Männer des Jeverlandes, die Edo selbst noch ausgewählt hatte, übernommen., welche bis zur Mündigkeit des Ältesten, Christoph die Herrschaft innehaben sollen. Drei Jahre später verstirbt Christoph, der Älteste unter ungeklärten Umständen und die Schwestern stehen alleine da. Diese Chance nutzen verschiedene Fürsten, wie unteranderem Graf Edzard von Ostfriesland aus und belagern die Burg. Der Graf von Oldenburg hilft den Schwestern, die Burg zu halten und sich gegen die Belagerer zu wehren. Der Grad Edzard von Ostfriesland zeigt sich deutlich gewitzter und versucht mit List in die Burg unter seine Fittiche zu bekommen. Sein Vorschlag für die Schwestern und Regenten ist, dass er seine Söhne mit den drei Mädchen verheiraten möchte. Es scheint eine gute Idee und auch eine gute Partie zu sein. So dachten sie und auch die Regenten von Jever nichts schlimmes, als Graf Edzard von Ostfriesland die Heiratspläne mit seinen Söhnen öffentlich kundtut und in einem Heiratsvertrag festhält. Der Herr Graf war sehr gewitzt und hat diese Pläne, nur zum Schein vorgeschlagen, denn eigentlich hat er andere Pläne – Er möchte Jever für sich selbst. Doch die Schwestern sahen dies nicht, sie sahen nur die sichere Zukunft, den Schutz und auch die reizvolle Aussicht mit Grafensöhnen vermählt zu werden. Eine Heirat mit den Söhnen Edzards ist nie zustande gekommen und somit war das Versprechen nichtig. Seine Söhne haben sich, zusammen mit Boing von Oldersum und weniger anderer Leute, mittlerweile andere Pläne ausgedacht, um an Jever heranzukommen. List und Tücke halfen ihnen in das Schloss der drei jungen Frauen hineinzukommen und die Regenten lassen sich angeblich überreden den Ostfriesen einen neuen Treueeid zu leisten. So kam es dazu, dass Maria und ihren Schwestern in Folge dieser Tat, sie waren im Erdgeschoss ihrer eigenen Burg untergebracht, während im Stockwerk darüber die Ostfriesensöhne ihren Sieg feierten, wirklich auf den Köpfen herumgetanzt wurde. Boing von Oldersum ist von Graf Edzard als Drost eingesetzt, um an der Stelle des Grafen zu herrschen. Wider Erwarten aller verfolgt Boing eigene, viel persönlichere Pläne, wechselt die Seiten und hilft Maria – zu der er sich sehr hingezogen fühlte – die Herrschaft von Jever zurückzugewinnen. Maria hat den Verrat und die Demütigung von Edzard und seinen Söhnen nie vergessen.

Der Weg an die Macht ist hart und steinig. Was wäre Maria nur ohne ihre Verbündeten?

Im Verlauf ihrer Herrschaft hat Maria sich ein großes Netz an Verbündeten aufgebaut. Boing von Oldersum, der von den Ostfriesen als Statthalter eingesetzt worden ist, damit er in ihrem Sinne die Geschicke von Jever lenkt. Doch er verliebt sich in Maria und tut, was sie von ihm verlangt. Remmer von Seediek ist ebenfalls ein ostfriesischer Adliger, er ist Berater, Kanzler und später auch Vertrauter von Maria. Diese beiden Männer stehen Maria bis zu ihrem Tode (Boing verstirbt 1540 und Remmer 1554) am nächsten und haben ihr volles Vertrauen gewonnen. Mit Boing verbindet Maria eine besondere Geschichte, denn er ist der Mann, den sie liebt. In vielen Briefen, die die Zeit überdauert haben, finden sich liebevoll geschriebene Zeilen. Doch abgesehen davon weiß man leider nicht mehr viel über die beiden als Paar. Nach dem Tod von Boing verwirft sie alle dynastischen Zukunftspläne und konzentriert sich auf andere Projekte, wie die Unabhängigkeit von Jever zu Ostfriesland oder die Befestigung der Stadt. Neben den beiden bereits genannten Männern, haben viele andere den Kreis ihrer Ratgeber vervollständigt. Unter diesen Menschen waren verschiedene Geistliche zu finden, die Namen dieser Personen sind heute nicht mehr bekannt. Maria zieht aus allen Begegnungen Wissen und fördert somit unteranderem das Bildungsniveau am Hofe – diese Geschichte werde ich euch in einem anderen Kapitel erzählen. Sie war eine kluge Frau, obwohl sie anders als ihr Bruder, keine Ausbildung zur Herrscherin erhalten hatte. All diese Menschen, die Maria zur Seite stehen, sind der Inbegriff dessen, dass die richtige Unterstützung und der Glaube an den anderen, jemanden stark machen kann. Man kann vieles schaffen, doch nicht alleine. Das geht nicht nur Maria so, sondern auch uns. Freunde, Familie und andere Mentoren können helfen, den richtigen Weg zu finden. Erzähl uns doch bei Instagram oder Facebook deine Geschichte. Schau dort regelmäßig rein, denn es kommen regelmäßige Updates mit verschiedenen Themenwochen.

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Was lernen Kinder im 16. Jahrhundert in der Schule?

Welche Schule hat Maria besucht? Kann sie, wie du, lesen, schreiben und rechnen? Jungs und Mädels, ich muss euch leider enttäuschen. Maria hat lesen und schreiben gelernt, weil sie aus einer reichen und mächtigen Familie war. Ihr älterer Bruder hat einen Lehrer und er hat mehr gelernt, denn er war Erbe des Vaters und seine Nachfolge. Die Kinder aus einfachen Verhältnissen, müssen schnell erwachsen werden und die Aufgaben der Erwachsenen übernehmen. Als Beispiel passen die älteren Geschwister auf die Jüngeren auf oder übernehmen einfache Hausarbeiten, wie das Kochen oder Einkaufen. In Familien, die noch weniger Geld haben, sind die Kinder sogar schon arbeiten gegangen. Das ist keine Kindheit, wie du sie kennst. Denn du kannst nach Herzenslust spielen, toben und lernen. Maria und ihre Geschwister sind ohne Eltern groß geworden. Sie haben keine so tolle Kindheit gehabt wie du! Lass dir von deinen Eltern die Geschichte von Maria erzählen. Oder bist du schon so groß, dass du das Hörbuch hören möchtest? [LINK] Später in ihrem Leben als Herrscherin von Jever hat Maria Schulen gegründet. Sie möchte, dass alle Kinder lesen und schreiben lernen. Das ist ganz schön stark von ihr! Wusstest du, dass sie sogar ein Armenhaus gebaut hat und dort Lehrer hingeschickt hat. Die Kinder haben sich sehr gefreut zu lernen. Bald darauf ist die Schulpflicht für alle eingeführt worden, aber nicht so, wie du es heute kennst. Wenn du neugierig bist, wie sich die Schulbildung entwickelt hat, dann schau dir die Geschichte von Emil Lang an. Deine Eltern helfen dir bestimmt dabei, die Geschichte zu finden. [VERLINKUNG] Das heutige Mariengymnasium in Jever hat Maria auch gegründet. Damals ist es erst eine Lateinschule. Die Schule hat erst die Ausbildung von loyalem Personal und der Verwaltung abgedeckt. Sei dankbar darüber, dass du Lernen darfst, denn es ist was Tolles zu lernen! Wissen(sdurst) macht klug, stark und mutig!

Macht und Prunk spielen eine wichtige Rolle im Leben von Maria

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Hast du dir das Video unserer Gruppe vom Audienzsaal angesehen, indem die Kassettendecke gezeigt und erläutert wird? Nein? Dann hol es doch als allererstes nach. Ich selbst stand staunend im Saal und war fasziniert davon, wie detailliert und genau in den Jahren 1560 bis 1564 gearbeitet worden ist. Sinn und Zweck der Prunkbauten war es, die Vitalität, die finanzielle Sicherheit und insbesondere die Macht nach außen zu tragen. Sie hat keine Kosten und Mühen gescheut, um den Saal umzugestalten. Doch diese Decke ist nicht das einzige Stück sichtbare Geschichte, welches uns von Maria noch erhalten geblieben ist. Ihr Vater, Edo Wiemken, hat bereits im 15. Jahrhundert begonnen, die Burg umzubauen und auszubauen. Es wird vermutet, dass in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der Turm und ein festes Haus ausgebaut worden sind. Maria hat aber im 16. Jahrhundert, während ihrer Herrschaft die meisten Umbauten getätigt. Bei einem Besuch im Schloss heute erinnert noch viel an Maria. Nebst der bereits erwähnten Kassettendecke hat sie den ganzen Saal um- und ausbauen lassen. Sie hat außerdem den ganzen Nordflügel und das Torhaus von Grund auf renoviert. Durch die vielen Erweiterungen und Modernisierungen wurde aus der einfachen Burg im Laufe der Jahre ein Schloss. Auch in Jever selbst gab es auch Veränderungen des Stadtbildes. Wenn du genau hinschaust, kannst du das heute noch erkennen! Weißt du, was ich meine oder soll ich es erzählen? Ich meine die Graften und Wallanlagen zum Schutz der Stadt. Heute befinden sich dort schöne Spazierwege, an denen ihr eine tolle Zeit verbringen könnt. Im 16. Jahrhundert standen dort Wallanlagen und Gräben, um die Stadt nicht nur vor Überfällen und Feinden zu schützen, sondern auch vor Unwettern, wie Sturmfluten. Wir im Norden kennen diese Sturmfluten sehr gut – zu Marias Zeiten gab es die auch und während ihrer Kindheit waren die Sturmfluten so schlimm, dass ganze Küstenstreifen durch Überflutung umgestaltet worden sind! Maria hat während ihrer Herrschaft entscheidenden Einfluss auf die Eindeichung genommen, weshalb die Sturmfluten, die sie noch kannte, heute nicht mehr denkbar sind. Heute ist das gefühlt undenkbar, dass es so ausarten kann. Doch sind unsere Küsten durch Deiche und Befestigungen heute viel moderner und stabiler als damals.

So sah das Schloss zu Zeiten von Maria aus.

Ein Blick in den ehemaligen Audienzsaal von Maria. So sieht es heute im Schlossmuseum aus.

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Die Reisejahre von Fräulein Maria

In den Jahren zwischen 1532 und 1540 ist Maria sehr oft in den Niederlanden gereist, da sie dort Rat und Beistand gesucht hat, um die Ostfriesen dauerhaft abzuwehren. Eine Frau, eine Häuptlingstochter, die in der Herrscherfolge nicht die Erste war und dann doch an die Macht gekommen ist, hat am kaiserlichen Hof erst einmal keinen einfachen Stand gehabt. Maria hat in den ersten Jahren in ihrer Regierung, zusammen mit Boing, ihrem Verlobten und ihrem Gefolge, viel Standhaftigkeit und Durchsetzungsvermögen gezeigt. Doch diese Jahre werden nicht einfach gewesen sein. Acht Jahre lang war Maria regelmäßig am Hofe, um viel Wartezeit, kurze Audienzen, viele Gespräche und höfischer Diplomatie mitzuerleben. Wie du vielleicht bereits gelesen hast, im vorherigen Blogeintrag, hat Maria dahingehend keine Ausbildung erhalten. Da sie nicht die Erstgeborene war und noch dazu ein Mädchen, wird es andere Schwerpunkte in ihrer Erziehung gegeben haben. Ihre Handschrift, etwas ungelenk und ungeübt, sagt viel darüber aus. Aber – sie war sehr klug. Sonst wäre sie in ihrem Leben nie so weit gekommen. Überleg doch mal anhand deines Lebens – wann warst du das letzte Mal so ein Durchhaltevermögen bewiesen, um an ein Ziel zu kommen welches du dir gesteckt hast? War es bei einem schwierigen Schul- oder Studienprojekt, welches nicht leicht von der Hand ging? War es während deiner Ausbildung? Einer Jobsuche? Vielleicht ging es bei dir, in deinem Leben, auch um ganz andere Schicksalsschläge, bei denen du stark und mutig sein musstest und eine Menge Ausdauer beweisen musstest. Wenn du wieder an diesen Punkt in deinem Leben kommen solltest und ein Scheitern nicht in Frage kommt. Denke an Maria und an ihre Geschichte. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich eine Herrscherin so vehement einsetzt, um für freie Entscheidungen und ein freies Jever zu kämpfen.

 

Weitere spannende Inhalte findet ihr auf der Seit von Katharina die Große, Dorothea FuhrkenFritz Levy und Emil Lang.

 

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